#1

Jesus Christus, noch eher Abraham wurde , bin ich

in Bibelstudium 03.12.2025 14:56
von Manfredo | 5.171 Beiträge



1. Der historische und theologische Kontext: Ein Konflikt um Identität

Johannes 8 entfaltet sich als dramatischer Dialog zwischen Jesus und religiösen Führern Judas. Die Spannung eskaliert, als Jesus erklärt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort bewahrt, wird den Tod nicht sehen in Ewigkeit“ (Johannes 8,51). Die Juden kontern scharf: „Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen?“ (V. 57). Ihre Argumentation ist menschlich-logisch: Abraham, der Stammvater Israels, lebte vor über 1.800 Jahren. Wie kann dieser Jesus, ein Mensch aus Nazareth, behaupten, „die Tage Abrahams gesehen zu haben“ (V. 56)?

Doch Jesus antwortet nicht mit einer biografischen Erklärung. Er enthüllt vielmehr seine transzendente Herkunft in einem Satz, der die Grenzen menschlicher Logik sprengt:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham ward, bin ich.“ (Johannes 8,58, ELB)

Dieser Vers ist kein Nebensatz im Evangelium – er ist ein theologisches Erdbeben, der die ganze Schrift zusammenhält.

2. „Ich bin“ – Der göttliche Name im Brennpunkt

a) Die sprachliche Revolution

Im griechischen Urtext steht: „Prin Abraam genesthai, ego eimi“ („Ehe Abraham wurde, bin ich“). Jesus verwendet bewusst das Präsens (eimi),
nicht das Präteritum (ēn). Das ist kein historischer Rückblick, sondern ein Bekenntnis zu seinem ewigen Sein.

Dieser Ausdruck „ego eimi“ („Ich bin“) ist kein Zufall. Er verweist direkt auf 2. Mose 3,14, wo Gott am brennenden Dornbusch zu Mose spricht:
„Ich bin der ,Ich bin‘. […] So sollst du zu den Kindern Israels sagen: ,Der ,Ich bin‘, hat mich zu euch gesandt.‘“
Der hebräische Name JHWH („Ich bin, der ich bin“) ist der unaussprechliche Name des lebendigen Gottes.
Jesus beansprucht ihn in vollem Bewusstsein – und die Juden erkennen dies sofort:

„Da hoben sie Steine auf, um ihn zu steinigen.“ (Johannes 8,59).

b) Die Reaktion der Juden: Ein exegetischer Beweis

Ihr Versuch, Jesus zu steinigen, ist kein Zeichen blinden Hasses, sondern theologischer Klarheit. Im Judentum galt die Gotteslästerung als todeswürdiges Verbrechen (3. Mose 24,16). Sie verstanden: Jesus stellte sich nicht als Prophet oder Messias im menschlichen Sinne dar, sondern als der ewige Gott selbst.

Dies bestätigt Johannes 10,33:
„Wir steinigen dich nicht für ein gutes Werk, sondern für Gotteslästerung, und weil du, als Mensch, dich selbst zu Gott machst.“

3. Sola Scriptura: Die Schrift bezeugt die Ewigkeit Christi

a) Das Johannesevangelium: Der „Logos“ vor aller Zeit

Johannes beginnt sein Evangelium mit einer Offenbarung, die Johannes 8,58 voraus deutet:
„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott.
Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, das entstanden ist.“ (Johannes 1,1–3)
Der „Logos“ (das „Wort“) ist nicht geschaffen, sondern Schöpfer aller Dinge – und „ward Fleisch“ (Johannes 1,14).
Jesus‘ Aussage „Ehe Abraham ward, bin ich“ ist die praktische Anwendung dieser Wahrheit im Streitgespräch.

b) Der Alte Bund: Gottes „Ich bin“ in den Propheten

Im Alten Testament gebraucht Gott „Ich bin“ als Kennzeichen seiner Einzigartigkeit:

„Höre, Israel: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland geführt habe, aus der Knechtschaft.“ (2. Mose 20,2)
„Ich bin der Erste und bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott.“ (Jesaja 44,6)
„Bevor der Tag kommt, so wahr ich lebe, spricht Gott der Herr: Ich bin’s, der ich bin!“ (Hesekiel 34,8)

Jesus übernimmt diese Formulierungen bewusst – z. B. in Johannes 13,19: „Damit ihr glaubt, wenn es geschieht, dass Ich es bin.“
Oder in Offenbarung 1,8: „Ich bin das A und das O, spricht Gott, der Herr, der da ist und der da war und der da kommt,
der Allmächtige.“ (Dieser Titel wird in Offenbarung 22,13 direkt auf Christus angewandt!)

c) Der neue Bund: Die universelle Herrschaft des Sohnes

Andere Schriftstellen bestätigen Jesu ewiges Sein:

Kolosser 1,16–17: „Denn in ihm ist alles geschaffen worden, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare.
[…] Und er ist vor allem, und alles besteht in ihm.“

Hebräer 1,8–10: Zitiert Psalm 45,7 und Psalm 102,26–28 (die im AT nur Gott beschreiben) und wendet sie auf Christus an:
„Und: ‚Im Anfang, o Herr, hast du die Erde gegründet, und die Himmel sind Werke deiner Hände‘.“

Philipper 2,6: „Er, der in der Gestalt Gottes existierte, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein.“
Diese Texte zeigen: Christus ist nicht „ein Gott“ neben dem Vater – er ist der Eine, wahre Gott, der in dreifacher Person
existiert (Johannes 1,1; Matthäus 28,19).

4. Die soteriologische Notwendigkeit: Warum diese Wahrheit unser Heil rettet

Wenn Jesus nicht wahrhaftig wahrer Gott ist, scheitert das ganze Evangelium:

Sein Opfer wäre unzureichend: Nur ein ewiger Gott kann eine ewige Sühne für ewige Sünden leisten (Hebräer 9,12–14).
Seine Auferstehung wäre unmöglich: Nur der, der „das Leben in sich selbst hat“ (Johannes 5,26), konnte den Tod besiegen.
Seine Verheißungen wären leer: Wer nicht ewig ist, kann keine ewige Sicherheit garantieren (Johannes 10,28–29).
Jesus‘ „Ich bin“ ist also kein abstrakter Theorismus, sondern die Grundlage unserer Rechtfertigung:
„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe,
sondern ewiges Leben habe.“ (Johannes 3,16)

Der „Sohn“, der hier gegeben wird, ist derselbe, der vor Abraham „bin ich“ sagte – Gott selbst im Fleisch (1. Timotheus 3,16).

5. Praktische Konsequenzen: Wie diese Wahrheit unser Leben formt

a) Anbetung statt Religiosität
Wer Jesus als den „Ich bin“ erkennt, kann nicht mehr religiös-rituell zu ihm kommen. Er fällt auf sein Angesicht (Offenbarung 1,17) und betet an:
„Mein Herr und mein Gott!“ (Johannes 20,28) – wie Thomas, der nach der Auferstehung endlich verstand.

b) Trost in der Vergänglichkeit
Abraham starb. Die Tempel Jerusalems wurden zerstört. Doch Christus sagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt“ (Matthäus 28,20). Sein „Ich bin“ ist unabhängig von Zeit und Umständen.

c) Mut im Zeugnis
Wie Stephanus, der sterbend rief: „Siehe, ich sehe die Himmel offen und den Sohn des Menschen zur rechten Gottes stehen!“ (Apostelgeschichte 7,56). Er starb mit dem Blick auf den „Ich bin“, der über Abraham, über dem Tod und über der Geschichte steht.

6. Schluss: Soli Deo Gloria – Allein Gott die Ehre

Johannes 8,58 ist kein isolierter Vers – er ist der Schlüssel, der die ganze Bibel öffnet. Von Mose bis Johannes bezeugt die Schrift:
„Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (Kolosser 2,9).

Dieser Jesus, der „ehe Abraham ward, bin ich“ sagt, ist derselbe, der heute lebt und regiert. Er ist gestern, heute und in Ewigkeit derselbe (Hebräer 13,8). Ihm allein gebührt unser Vertrauen, unsere Anbetung und unser Leben.

Mögen wir wie die ersten Jünger nicht schweigen können, was wir gesehen und gehört haben (Apostelgeschichte 4,20). Denn in einer Welt, die nach Identität sucht, ist Christus der einzige Fels – der „Ich bin“, der vor aller Zeit war, ist und bleibt.

„Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.“ (Römer 11,36)

Dieser Text folgt strikt dem Prinzip Sola Scriptura: Jede Aussage ist an die Heilige Schrift gebunden, die allein genügt, um Glauben und Leben zu leiten
(2. Timotheus 3,16–17).
Keine Tradition, kein Konzil, keine menschliche Weisheit wird über das Wort Gottes gestellt – denn Christus selbst ist das lebendige Wort (Johannes 1,14).

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11:25 Jesus sagte: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, obwohl er tot ist, der wird leben. 11:26 Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben. Glaubst du das?
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