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Richte nicht, damit du nicht gerichtet wirst - Matthäus 7

in LiebeIsrael, Jüdisch-Christlicher Kanal 24.05.2025 02:42
von Manfredo | 5.171 Beiträge



Matthäus 7,1-6

Matthäus 7,1–6 ist ein Abschnitt aus der Bergpredigt im Neuen Testament. Jesus spricht hier über das Urteilen, Selbstreflexion und Weisheit im Umgang mit dem Heiligen. Der Text lautet nach der Lutherbibel etwa so:

Matthäus 7,1–6 (Luther 2017):

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.

Denn mit demselben Gericht, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit demselben Maß, mit dem ihr messt, wird euch zugemessen.

Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?

Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen – und siehe, ein Balken ist in deinem Auge?

Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit sie dieselben nicht mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.

Deutung im Kontext:
Verse 1–5: Gegen falsches Urteilen
Diese Verse warnen vor vorschnellem und heuchlerischem Richten:

"Richtet nicht" bedeutet nicht, dass man niemals urteilen darf, sondern dass man sich vor Selbstgerechtigkeit hüten soll.

Der Maßstab, mit dem wir andere beurteilen, wird auch an uns selbst angelegt werden.

Die berühmte Metapher vom Splitter und Balken weist auf die Notwendigkeit zur Selbstkritik hin: Man soll zuerst die eigenen Fehler erkennen und bearbeiten, bevor man andere kritisiert.

➡️ Kernbotschaft: Kritik soll nicht aus Arroganz oder Heuchelei erfolgen, sondern aus Demut und Einsicht in die eigene Unvollkommenheit.

Vers 6: Vom Umgang mit dem Heiligen
Dieser Vers scheint auf den ersten Blick aus dem Zusammenhang zu fallen:

Die Aussage "Gebt das Heilige nicht den Hunden..." ist eine bildhafte Warnung: Man soll wertvolle, heilige Dinge (wie das Evangelium oder geistliche Wahrheiten) nicht denen geben, die sie verachten oder zerstören wollen.

Hunde und Schweine galten im Judentum als unrein – hier symbolisieren sie Menschen, die das Heilige mutwillig ablehnen.

➡️ Kernbotschaft: Unterscheidungsvermögen ist wichtig – nicht jeder ist offen für geistliche Wahrheiten. Man soll seine Kräfte und Gaben nicht verschwenden, sondern weise und mit Bedacht handeln.

Zusammenfassung:
Jesus ruft dazu auf:

Nicht vorschnell oder selbstgerecht zu urteilen,

zuerst auf die eigene Fehlerhaftigkeit zu schauen,

und mit Weisheit und Verantwortung im Umgang mit geistlichen Wahrheiten zu handeln.

Werfen wir einen Blick auf den griechischen Urtext von Matthäus 7,1–6 und analysieren die wichtigsten Begriffe, um ein klareres Verständnis direkt aus der Bibel zu gewinnen. Ich nutze dazu den Text des Nestle-Aland (NA28) bzw. den byzantinischen Text als Grundlage.

📜 Matthäus 7,1–6 auf Griechisch mit Wort-für-Wort-Erklärung
Vers 1:
Μὴ κρίνετε, ἵνα μὴ κριθῆτε·
„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“

Μὴ – verneinender Imperativ (nicht!)

κρίνετε – Präsens Imperativ Aktiv von κρίνω = urteilen, richten, beurteilen, verurteilen

ἵνα – damit, auf dass

μὴ κριθῆτε – Aorist Passiv Konjunktiv von κρίνω = gerichtet werdet

👉 Hinweis: Das Wort κρίνω kann sowohl neutrale Beurteilung als auch verurteilendes Richten bedeuten – der Kontext entscheidet. Hier ist klar das verurteilende, heuchlerische Richten gemeint.

Vers 2:
ἐν ᾧ γὰρ κρίματι κρίνετε, κριθήσεσθε·
καὶ ἐν ᾧ μέτρῳ μετρεῖτε, μετρηθήσεται ὑμῖν.

„Denn mit dem Gericht, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird euch zugemessen werden.“

κρίμα – Urteil, Gericht

μέτρον – Maß, Maßstab

μετρεῖτε – Präsens Aktiv von μετρέω = messen

μετρηθήσεται – Futur Passiv = es wird euch zugemessen werden

👉 Gott wird mit dem Maßstab richten, den wir anderen anlegen.

Vers 3:
Τί δὲ βλέπεις τὸ κάρφος ἐν τῷ ὀφθαλμῷ τοῦ ἀδελφοῦ σου,
τὴν δὲ δοκὸν ἐν τῷ ὀφθαλμῷ σοῦ οὐ κατανοεῖς;

„Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?“

κάρφος – Splitter, Stäubchen, kleiner Fremdkörper

δοκός – Balken, dicker Holzpfahl

κατανοεῖς – beachten, wahrnehmen, erkennen

👉 Der Kontrast zwischen „Splitter“ und „Balken“ ist absichtlich überzeichnet (Hyperbel), um Heuchelei bloßzustellen.

Vers 4:
ἢ πῶς ἐρεῖς τῷ ἀδελφῷ σου·
Ἄφες ἐκβάλω τὸ κάρφος ἐκ τοῦ ὀφθαλμοῦ σου,
καὶ ἰδοὺ ἡ δοκὸς ἐν τῷ ὀφθαλμῷ σοῦ;

„Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, dass ich den Splitter aus deinem Auge ziehe – und siehe, der Balken ist in deinem Auge?“

Ἄφες – Erlaube, gestatte (Imperativ von ἀφίημι)

ἐκβάλω – hinauswerfen, entfernen (Konjunktiv von ἐκβάλλω)

Vers 5:
ὑποκριτά, ἔκβαλε πρῶτον τὴν δοκὸν ἐκ τοῦ ὀφθαλμοῦ σου·
καὶ τότε διαβλέψεις ἐκβαλεῖν τὸ κάρφος ἐκ τοῦ ὀφθαλμοῦ τοῦ ἀδελφοῦ σου.

„Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen.“

ὑποκριτής – Heuchler (ursprünglich: Schauspieler, einer, der eine Maske trägt)

διαβλέψεις – durchschauen, klar sehen

👉 Zuerst die eigene Sünde erkennen – dann kann man helfen. Es geht nicht darum, Kritik zu vermeiden, sondern sie in rechter Herzenseinstellung zu üben.

Vers 6:
Μὴ δῶτε τὸ ἅγιον τοῖς κυσίν,
μηδὲ βάλητε τοὺς μαργαρίτας ὑμῶν ἔμπροσθεν τῶν χοίρων,
μήποτε καταπατήσωσιν αὐτοὺς ἐν τοῖς ποσὶν αὐτῶν
καὶ στραφέντες ῥήξωσιν ὑμᾶς.

„Gebt das Heilige nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht vor die Schweine, damit sie sie nicht mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.“

ἅγιον – das Heilige (Gottes Wort, Wahrheit, geistliche Gaben)

κύων (κυσίν) – Hund (im Judentum negativ konnotiert – unreines Tier)

μαργαρίτης – Perle (kostbares Bild für Gottes Wahrheit)

καταπατέω – zertreten, missachten

ῥήγνυμι (ῥήξωσιν) – zerreißen, attackieren

👉 Menschen, die das Evangelium aggressiv ablehnen, werden nicht nur „nicht zuhören“, sondern oft gegen den Verkündiger selbst vorgehen. Es braucht also Unterscheidungsvermögen.

🔍 Zusammenfassend auf Griechisch-Basis:
Das Verb κρίνω hat eine Bandbreite von „beurteilen“ bis „verurteilen“. Der Kontext zeigt, dass Jesus das selbstgerechte, heuchlerische Richten verbietet, nicht jede Form der Urteilsbildung.

Die Begriffe κάρφος und δοκός betonen drastisch die Diskrepanz zwischen der Selbstwahrnehmung und der Realität.

ὑποκριτής (Heuchler) beschreibt eine innere Unaufrichtigkeit, trotz frommen Scheins.

Der letzte Vers nutzt starke Bilder für geistliche Unterscheidung – was heilig ist, soll nicht in mutwillige Verachtung gegeben werden.

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