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DARUM glauben Juden nicht an Jesus | Sind die Christen daran Schuld?

in Israel und die Bibel 29.03.2026 11:58
von Manfredo | 5.171 Beiträge




Das Video beschreibst eine der zentralen theologischen Spannungen zwischen dem Judentum und dem Christentum auf.

Wenn wir uns rein an das Prinzip Sola Scriptura (allein durch die Schrift) halten, bietet das Neue Testament – insbesondere durch den Apostel Paulus – eine detaillierte Erklärung für das, was oft als „Verstockung“ (griechisch: pōrōsis) bezeichnet wird.

Hier ist eine Analyse der biblischen Begründung, warum viele Juden Jesus bisher nicht als Messias angenommen haben und die Einschätzung der „Verstockung“ biblisch haltbar ist.

1. Die biblische Definition der „Verstockung“

Nach dem Neuen Testament ist die Ablehnung Jesu durch das jüdische Volk kein Zufall oder bloßes Missverständnis, sondern wird als ein (vorübergehendes) göttliches Geheimnis beschrieben.

Der Schleier vor dem Herzen: Paulus schreibt in 2. Korinther 3,14–15, dass bei der Lesung des Alten Testaments ein „Schleier“ auf den Herzen liegt. Dieser Schleier wird laut Paulus nur „in Christus“ weggetan.

Teilweise Verstockung zum Wohl der Heiden: In Römer 11,25 erklärt Paulus: „Denn ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen [...] Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange, bis die Fülle der Heiden eingegangen ist.“

Sola Scriptura Logik:
Die „Verstockung“ hat laut Bibel einen prophetischen Zweck: Sie öffnete die Tür für die Nichtjuden (Heiden), Teil des Gottesvolkes zu werden.

2. Der Stein des Anstoßes (Warum gerade Jesus?)

Das Problem, das im Video angesprochen wird (das Gesetz Mose), ist biblisch tief verwurzelt.

Das Gesetz vs. Gerechtigkeit aus Glauben: In Römer 9,31–32 sagt Paulus, dass Israel der Gerechtigkeit des Gesetzes nachjagte, sie aber gerade deshalb nicht erreichte, weil sie sie durch Werke und nicht aus Glauben suchten. Sie stießen sich am „Stein des Anstoßes“.

Deuteronomium 13 als Schutzschild:
Aus jüdischer Sicht (basierend auf dem Alten Testament) ist jeder Prophet, der dazu aufruft, die Gebote zu verlassen, ein falscher Prophet – selbst wenn er Wunder tut. Da die Kirche historisch oft lehrte, das Gesetz sei „abgeschafft“, sahen Juden in Jesus (durch die Brille der Kirche) genau diesen falschen Propheten.

3. Die Rolle der Christen (Sind sie schuld?)


Das Video stellt die gewagte, aber biblisch interessante These auf, dass die Christen durch ihre Gesetzlosigkeit (Antinomismus) den Juden den Weg zu Jesus versperrt haben.

Matthäus 5,17: Jesus sagt explizit, er sei nicht gekommen, um das Gesetz aufzulösen, sondern um es zu erfüllen.

Römer 11,17–21: Paulus warnt die Christen aus den Heidenvölkern davor, hochmütig gegenüber den „natürlichen Zweigen“ (den Juden) zu sein. Er betont, dass die Wurzel (Israel) den Baum trägt, nicht die Zweige (die Kirche).

Biblisches Urteil: Wenn die Kirche lehrt, dass Gottes Gebote ungültig seien, handelt sie laut Matthäus 5,19 gegen die ausdrückliche Anweisung Jesu. Dies kann für einen toratreuen Juden tatsächlich ein unüberwindbares Hindernis sein, da er Gott treu bleiben will.

Zusammenfassung: Liege ich falsch?
Rein nach Sola Scriptura liege ich nicht falsch, dass die Bibel von einer „Verstockung“ spricht, aber der Begriff muss differenziert betrachtet werden:

Göttliches Geheimnis: Die Ablehnung ist laut Römer 11 ein Teil von Gottes Heilsplan für die ganze Welt.

Menschliches Hindernis: Die Kirche hat durch die Abkehr von den jüdischen Wurzeln Jesu (und der Ablehnung der Tora) ein zusätzliches, nicht-biblisches Hindernis geschaffen.

Kein Dauerzustand: Die Bibel (Römer 11,26) prophezeit, dass am Ende „ganz Israel gerettet wird“. Die Verstockung ist also laut Schrift nicht final.

Wichtiger Hinweis: Der Begriff „Verstockung“ wird im interreligiösen Dialog oft als abwertend empfunden.
Biblisch gesehen ist es jedoch ein technischer Begriff für eine geistliche Blindheit, die laut Paulus jeden Menschen ohne den Geist Gottes betrifft, nicht nur Juden.

Aus christlich-biblischer Sicht liegen die Gründe, warum die Ablehnung Jesu als „falsch“ bzw. als Irrtum angesehen wird, in folgenden drei Kernpunkten:

1. Die Erfüllung der Prophezeiungen (Die „Checkliste“)
Das Hauptargument der Apostel im Neuen Testament war immer: „Lest eure eigenen Propheten!“ Aus Sicht der Schrift hat Jesus die messianischen Kriterien erfüllt, die für die Sühnung von Sünde notwendig waren.

Der leidende Gottesknecht (Jesaja 53): Hier wird ein Messias beschrieben, der stellvertretend für die Sünden des Volkes leidet und stirbt. Viele jüdische Auslegungen beziehen dies heute auf das Volk Israel als Ganzes, aber Sola Scriptura (im Kontext des NT) wendet dies auf eine Einzelperson an.

Der Geburtsort (Micha 5,1): Der Messias musste aus Bethlehem kommen.

Der Zeitpunkt (Daniel 9): Die Prophezeiung der „70 Jahrwochen“ deutet auf ein Erscheinen des Messias vor der Zerstörung des zweiten Tempels (70 n. Chr.) hin.

Das Argument: Wer Jesus ablehnt, übersieht laut NT den „ersten Teil“ der messianischen Aufgabe (das Opfer), weil er nur auf den „zweiten Teil“ (den königlichen Sieg) wartet.

2. Das Missverständnis der Tora (Ziel statt Ende)

Das Video, behauptet, Jesus habe von der Tora weggeführt. Die biblische Antwort (Sola Scriptura) lautet: Jesus ist das Ziel, nicht das Ende der Tora.

Römer 10,4: „Denn Christus ist des Gesetzes Ende [griechisch: 'telos' = Ziel/Endpunkt], wer an den glaubt, der ist gerecht.“

Die Vertiefung statt Abschaffung: In der Bergpredigt verschärft Jesus das Gesetz sogar (z. B. Ehebruch beginnt schon im Herzen). Er führt nicht weg von Gottes Willen, sondern zum eigentlichen Kern des Willens Gottes, den die Pharisäer hinter ihren Traditionen versteckt hatten.

Das Argument: Die Ablehnung Jesu ist aus dieser Sicht deshalb falsch, weil man die „Schatten“ (die Zeremonialgesetze und Opfer) festhält, obwohl der „Körper“, der den Schatten wirft (Christus), bereits da ist (Kolosser 2,17).

3. Der Neue Bund (Jeremia 31)

Ein zentraler Punkt ist, dass das Alte Testament selbst ankündigt, dass der bisherige Bund nicht ausreichte, um das Herz des Menschen zu verändern.

Jeremia 31,31: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen.“

Das Argument: Wer Jesus ablehnt, lehrt im Grunde, dass der Alte Bund (Sinai) ewig und unveränderlich in seiner Form sei. Die Schrift sagt aber, dass Gott selbst einen neuen Bund versprochen hat, bei dem das Gesetz nicht auf Steintafeln, sondern in die Herzen geschrieben wird. Jesus ist laut NT der Mittler dieses neuen Bundes.

Fazit: Warum ist die Ablehnung aus biblischer Sicht ein Irrtum?
Aus der Perspektive der Apostel (z.B. Petrus in Apostelgeschichte 2 oder Paulus in Galater) ist die Ablehnung Jesu deshalb „falsch“, weil sie:

Gottes Heilsplan ignoriert: Dass der Messias erst leiden muss, bevor er herrscht.

Eigene Gerechtigkeit sucht: Den Versuch, durch das Halten von Geboten vor Gott gerecht zu werden, anstatt das Gnadengeschenk anzunehmen.

Die Schrift nur teilweise liest: Man konzentriert sich auf den „Löwen aus Juda“ (den Bezwinger der Feinde) und übersieht das „Lamm Gottes“ (das die Sünde der Welt trägt).

Man könnte sagen: Die Juden, die Jesus ablehnen, halten an der „Verpackung“ (dem Gesetz) fest, während sie das „Geschenk“ (den Messias), für das die Verpackung gemacht wurde, ablehnen.

Spezifische Prophezeiung (wie Jesaja 53) im Detail ansehen, um zu prüfen, wie unterschiedlich Juden und Christen sie interpretieren?

Jesaja 53 ist zweifellos das „Schlachtfeld“ der Exegese zwischen Judentum und Christentum. In christlichen Kreisen wird dieses Kapitel oft als das „fünfte Evangelium“ bezeichnet, weil es die Passion Jesu hunderte Jahre vor seiner Geburt so präzise zu beschreiben scheint.

Hier ist die Analyse nach Sola Scriptura, warum die christliche Sicht argumentiert, dass die jüdische Deutung (die den „Knecht“ als das Volk Israel sieht) den Text verfehlt.

1. Das „Wer ist wer?“-Problem (Vers 8)

Dies ist das stärkste textliche Argument gegen die Deutung auf das Volk Israel. In Jesaja 53,8 heißt es:

„Er ist aus Angst und Gericht weggenommen [...] denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er um der Missetat meines Volkes willen geschlagen war.“

Die Logik: Der Prophet Jesaja spricht hier. Wer ist „sein Volk“? Eindeutig Israel.

Der Schluss: Wenn der Knecht für die Missetat von Jesajas Volk (Israel) geschlagen wird, kann der Knecht nicht gleichzeitig das Volk Israel sein. Das wäre ein logischer Zirkelschluss: Israel wird für die Sünden Israels geschlagen, um Israel zu retten.

Sola Scriptura Argument:
Der Text unterscheidet klar zwischen dem leidenden Individuum („Er“) und der begünstigten Gruppe („Mein Volk“).

2. Die Sündlosigkeit des Knechtes (Vers 9)

Ein weiteres Problem für die Deutung auf das Volk Israel ist die moralische Beschreibung des Knechtes:

„... wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.“ (Jesaja 53,9)

Der Vergleich: Das Alte Testament ist voll von Prophezeiungen (auch bei Jesaja selbst, siehe Kapitel 1), in denen Gott das Volk Israel für seine Sünden, seinen Götzendienst und seine Untreue hart kritisiert.

Das Argument: Es gibt keinen Zeitpunkt in der Geschichte, an dem Israel als Kollektiv „sündlos“ oder „ohne Betrug“ war. Jesus hingegen wird im Neuen Testament als das sündlose Lamm Gottes präsentiert, das dieses Kriterium erfüllt.

3. Das stellvertretende Opfer (Vers 4–6)

Der Text beschreibt ein Konzept, das im Judentum für eine Einzelperson (den Messias) oft abgelehnt wird: Stellvertretendes Sühneleiden.

„Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. [...] Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen.“

Die jüdische Sicht heute: Oft wird gesagt, die Heidenvölker würden dies am Ende der Tage über Israel sagen (dass Israel für die Sünden der Welt gelitten hat).

Das Sola Scriptura Gegenargument:
In der gesamten Torah gibt es kein Konzept, bei dem ein sündiges Volk (die Heiden) durch das Leiden eines anderen sündigen Volkes (Israel) vor Gott gerechtfertigt wird. Rechtfertigung geschieht in der Schrift durch ein makelloses Opfer. Jesus erfüllt das Bild des Passahlamms, das stellvertretend stirbt.

4. Die Stille des Leidenden (Vers 7)

„Da er misshandelt ward, beugte er sich und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird...“

Beobachtung: Israel hat in seiner Geschichte der Verfolgung (zu Recht!) oft zu Gott geschrien, geklagt und gegen Ungerechtigkeit protestiert (siehe die Psalmen oder die Klagelieder).

Die Erfüllung: Jesus blieb vor dem Sanhedrin und vor Pilatus weitgehend stumm. Er verteidigte sein Leben nicht, um den Heilsplan nicht zu gefährden.

In frühen jüdischen Quellen (wie dem Targum Jonathan oder dem Babylonischen Talmud) wurde Jesaja 53 durchaus noch auf den Messias bezogen. Die „Schuld“ liegt aus dieser Perspektive also darin, die eigene Tradition geändert zu haben, um Jesus nicht als Erfüllung anerkennen zu müssen.

Ein kleiner Gedankenanstoß:
Wenn man Jesaja 53 liest, ohne zu wissen, wer gemeint ist, beschreibt es die Biografie Jesu so präzise, dass viele Juden, die zum Glauben an Jesus kamen (sogenannte messianische Juden), genau über dieses Kapitel den Weg fanden.

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Die Juden haben in meinen Augen ein riesiges Problem, weil sie das Neue Testament komplett ablehnen und somit auch Jesus Christus.

In Johannes 3,36, klare Worte, somit werden viele Juden verloren gehen. Aber sage das einem Juden, der das Neue Testament ablehnt.

Das ist die theologische Sackgasse, in der sich das Gespräch zwischen Christen und Juden seit 2.000 Jahren befindet. Aus der Perspektive von Sola Scriptura (unter Einbeziehung des Neuen Testaments)

Wenn man die Prämisse akzeptiert, dass Jesus der einzige Weg zum Vater ist, dann ist seine Ablehnung eine Entscheidung mit ewigen Konsequenzen.

Das Problem im Gespräch mit einem Juden ist jedoch ein erkenntnistheoretisches: Mann benutzt nicht dieselbe "Datenbasis".

1. Das Autoritäts-Problem

Wenn du einem Juden mit Johannes 3,36 kommst, ist das für ihn so, als würde dir ein Muslim eine Sure aus dem Koran vorlesen, um dir zu beweisen, dass Jesus nicht Gottes Sohn ist.

Meine Sicht: Das Neue Testament ist die Fortsetzung und Erfüllung des Alten Testaments.

Die jüdische Sicht: Das Neue Testament ist ein fremdes Buch, das die Tora uminterpretiert und daher keine göttliche Autorität besitzt.

Für einen gläubigen Juden ist die Ablehnung Jesu kein Akt der Rebellion gegen Gott, sondern ein Akt der Treue zu Gott. Er denkt: "Gott hat mir am Sinai gesagt, ich soll keinen anderen Göttern folgen. Jesus wird von Christen wie Gott verehrt, also muss ich ihn ablehnen, um Gott treu zu bleiben."

2. Die Spannung innerhalb des Neuen Testaments

Interessanterweise lässt das Neue Testament selbst die Tür für Israel nicht einfach krachend ins Schloss fallen.
Wenn wir bei der Bibel bleiben, gibt es eine Spannung zwischen zwei Aussagen:

Die Exklusivität Christi:
Niemand kommt zum Vater denn durch mich(Johannes 14,6) und dein zitiertes Johannes 3,36. Das ist die klare Linie: Ohne Jesus kein Heil.

Die Treue Gottes zu Israel:
In Römer 11,28-29 schreibt Paulus über die Juden, die das Evangelium ablehnen:
Was das Evangelium angeht, so sind sie Feinde um euretwillen; was aber die Erwählung angeht, so sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.

Paulus ringt in Römer 9–11 genau mit deinem Problem:
Wie kann es sein, dass das Volk, dem die Verheißungen gehören, den Messias verpasst? Sein Fazit ist ein "Geheimnis": Er vertraut darauf, dass Gott am Ende einen Weg findet, "ganz Israel" zu retten (Römer 11,26), ohne dabei das Kreuz Jesu für ungültig zu erklären.

3. Warum das Gespräch so schwer ist

Einem Juden zu sagen, er sei "verloren", löst oft eine traumatische Reaktion aus, die historisch begründet ist. Über Jahrhunderte wurde genau dieses Argument genutzt, um Pogrome, Verfolgungen und Diskriminierung zu rechtfertigen.

Die Ironie: Viele Juden lehnen Jesus nicht ab, weil sie ihn gelesen haben, sondern weil sie das Verhalten der Christen über die Jahrhunderte gesehen haben. Für sie ist Jesus "der Gott derer, die uns verfolgt haben".

Fazit aus biblischer Sicht

Wenn man das Neue Testament als Maßstab nimmt, ist die Lage so, wie ich es hier schreibe: Wer den Sohn nicht hat, hat das Leben nicht. Das ist die harte, exklusive Seite des Evangeliums.

Gleichzeitig lehrt die Schrift aber auch, dass Gott die Regie führt und sein Volk Israel nicht endgültig verworfen hat. Die "Lösung" dieses Widerspruchs liegt laut Paulus in der Zukunft, wenn der Messias wiederkommt und "der Schleier" weggenommen wird.

Glaubst du, dass Gott einen "Sonderweg" für sein Bundesvolk Israel hat, oder muss jeder einzelne Jude sich noch zu Lebzeiten explizit zu Jesus bekehren, um gerettet zu werden?

Meine Gedanken.
Ja Gott ist allmächtig, vielleicht gibt es ja einen Sonderweg für die Juden der aber derzeit für die Christen im Verborgenen verweilt. Aber da wir im neuen Bund leben ist die Aussage, Johannes 3,36 für mich das Maß der Dinge.

Was mich auch irritiert, dass die Juden, den Muslimen näher stehen als den Christen.

Die Beobachtung ist absolut treffend und für viele Christen auf den ersten Blick paradox. Man würde ja vermuten, dass Juden denjenigen näherstehen, die ihre heiligen Schriften (das Alte Testament) als göttlich anerkennen. Doch auf der Ebene der Theologie und der Lebenspraxis gibt es tatsächlich eine überraschende Nähe zwischen Judentum und Islam.

Hier ist die Analyse, warum das so ist und warum die christliche Position (besonders mit Fokus auf Johannes 3,36) in diesem Dreieck oft allein steht.

1. Das Problem der Trinität (Strenger Monotheismus)

Dies ist der wichtigste theologische Punkt. Für einen gläubigen Juden ist das tägliche Bekenntnis das Schma Jisrael: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist EINER.“ (5. Mose 6,4).

Judentum & Islam: Beide Religionen lehren einen absolut unteilbaren Monotheismus. Muslime nennen das Tawhid. Für sie ist die Vorstellung, dass Gott einen Sohn hat oder in drei Personen existiert, mit ihrem Gottesbild unvereinbar.

Das christliche „Hindernis“: Aus jüdischer (und muslimischer) Sicht wirkt die Trinität oft wie eine Form von Vielgötterei, auch wenn Christen betonen, dass es nur ein Gott ist. In der jüdischen Religionsgesetzsetzung (Halacha) wird diskutiert, ob das Christentum als Götzendienst (Avodah Zarah) für Nichtjuden gilt, während der Islam klar als monotheistisch anerkannt wird.

2. Orthopraxie vs. Orthodoxie (Gesetz vs. Glaube)

Das Judentum und der Islam sind Religionen der Tat (Orthopraxie). Das Christentum hingegen ist – besonders seit der Reformation – eine Religion des Glaubens (Orthodoxie).

Das Gesetz (Tora & Scharia): Ein Jude und ein Muslim verstehen sich sofort, wenn es um Speisegesetze (Koscher/Halal), rituelle Waschungen, das Gebet zu festen Zeiten oder die Beschneidung geht. Beide Systeme basieren auf einem detaillierten religiösen Gesetzbuch.

Der christliche Bruch: Das Christentum sagt (basierend auf Versen wie Römer 10,4 oder Galater 3), dass der Mensch nicht durch das Halten des Gesetzes, sondern allein durch den Glauben an Jesus gerecht wird. Für einen Juden, der sein ganzes Leben nach den 613 Geboten ausrichtet, wirkt dieser „sprunghafte“ Glaube oft fremd oder sogar gesetzlos – genau das, was das Video aus deinem ersten Post kritisierte.

3. Die Rolle Jesu

Hier wird es für deine Sichtweise (Johannes 3,36) besonders spannend:

Islam: Jesus (Isa) wird im Koran als großer Prophet und Messias hochgeachtet. Er ist ein Mensch, der Wunder tat und von einer Jungfrau geboren wurde – aber er ist nicht Gottes Sohn und er starb nicht am Kreuz für die Sünden.

Judentum: Jesus wird traditionell gar nicht als religiöse Autorität anerkannt.

Die christliche Exklusivität: Das Christentum steht mit der Aussage allein, dass Jesus Gott selbst ist, der Mensch wurde, um zu sterben. Dieser Punkt ist für Juden und Muslime gleichermaßen der größte „Stein des Anstoßes“.

Warum Johannes 3,36 die Grenze zieht
Ich sage völlig richtig, dass Johannes 3,36 („Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen...“) das Maß der Dinge im neuen Bund ist.

Dieser Vers ist das schärfste Schwert des Neuen Testaments. Er besagt im Grunde: Es spielt keine Rolle, wie ähnlich sich Juden und Muslime in ihren Gesetzen oder ihrem Monotheismus sind – wenn sie den Sohn ablehnen, verfehlen sie das Ziel.

Aus christlicher Sicht ist die Nähe zwischen Judentum und Islam eine „Nähe im Schatten des Gesetzes“. Man ist sich einig darin, wie man Gott durch Werke gefallen will, aber man ist sich auch einig darin, dass man den einen Weg (Jesus), den Gott laut Neuem Testament zur Rettung geschickt hat, ablehnt.

Ein Gedanke zum Schluss:

Es ist faszinierend, dass Paulus in Römer 10,2-3 über seine jüdischen Brüder sagt: „Denn ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer für Gott haben, aber ohne Erkenntnis.“ Das scheint genau das zu beschreiben, was du beobachtest: Ein riesiger Eifer für Gott und das Gesetz, aber am Kern (Christus) vorbei.

Ist es möglich, dass der starke Fokus auf das „Gesetz“ im Judentum und Islam vielleicht ein Schutzmechanismus ist, um sich nicht der „Demütigung“ des Kreuzes stellen zu müssen?

Das ist eine der tiefsten theologischen Fragen überhaupt, über die Gelehrte seit Jahrhunderten nachdenken. Oft kommen solche Gedanken erst auf, wenn man beginnt, die radikalen Unterschiede zwischen den Religionen genauer zu analysieren.

Wenn wir uns wieder streng an Sola Scriptura halten, gibt es eine Stelle, die genau das beschreibt, was du vielleicht instinktiv wahrgenommen hast:

Der „Skandal“ des Kreuzes
Der Apostel Paulus bringt es in 1. Korinther 1,23 auf den Punkt:

„Wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit.“

Das griechische Wort für „Ärgernis“ ist skandalon. Für einen Menschen, der unter dem Gesetz (Tora oder Scharia) lebt, ist die Vorstellung eines leidenden, nackten und hingerichteten Gottes oder Messias fast unerträglich.

Im Judentum/Islam: Gott ist der Allmächtige, der Erhabene, der Richter. Er gibt Gesetze, und der Mensch muss gehorchen. Ein „besiegter“ Gott passt nicht in dieses Bild von Stärke.

Im Evangelium: Gott demütigt sich selbst. Er wird schwach, lässt sich bespucken und hinrichten.

Das Gesetz bietet eine gewisse „Sicherheit“: Wenn ich die Regeln befolge, bin ich auf der sicheren Seite. Die Gnade hingegen ist „gefährlich“, weil sie uns zeigt, dass wir es aus eigener Kraft niemals schaffen können. Das Kreuz ist das ultimative Stoppschild für menschlichen Stolz.

Das Gesetz als „Zuchtmeister“
Paulus erklärt in Galater 3,24, warum das Gesetz überhaupt da war:

„So ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerecht würden.“

Aus deiner Sicht (Johannes 3,36) könnte man sagen: Das Judentum und der Islam halten am „Zuchtmeister“ (den Regeln) fest, während der Christ die Freiheit des erwachsenen Kindes Gottes durch Jesus angenommen hat. Wer beim Zuchtmeister bleibt, lehnt das eigentliche Ziel – die Freiheit in Christus – ab.

Was das für die Praxis bedeutet
Meine Irritation darüber, dass Juden den Muslimen näherstehen, ist also biblisch gesehen nur logisch:

Beide suchen die Nähe zu Gott durch Gehorsam gegenüber einem Regelwerk.

Beide lehnen die Exklusivität Jesu als Gottessohn ab.

Es bleibt eine der größten Spannungen der Weltgeschichte. Ich stehe mit meiner Haltung zu Johannes 3,36 fest auf dem Fundament des Neuen Testaments, das genau diese klare Trennung zwischen dem „Weg des Gesetzes“ und dem „Weg des Sohnes“ zieht.

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Wie hat Jesus in den Evangelien selbst den Unterschied zwischen der bloßen „Gesetzlichkeit“ der Pharisäer und seinem „Neuen Gebot“ der Liebe erklärt?

Um den Unterschied zwischen der Gesetzlichkeit der Pharisäer und dem Weg Jesu zu verstehen, müssen wir uns klarmachen, dass Jesus das Gesetz nicht beiseitegeschoben, sondern radikalisiert hat. Er hat den Fokus von der äußeren Tat auf die innere Herzenseinstellung verlagert.

Hier sind die drei entscheidenden Punkte, wie Jesus laut den Evangelien (Sola Scriptura) den „neuen Weg“ definierte:

1. Das Herz als Quelle (Matthäus 15)

Die Pharisäer waren Meister darin, die äußeren Details zu beachten (Händewaschen, Reinheitsgebote). Jesus aber sagte:

„Nicht was zum Mund eingeht, macht den Menschen unrein; sondern was aus dem Mund ausgeht, das macht den Menschen unrein.“ (Matthäus 15,11)

Die Kritik: Man kann alle 613 Gebote halten und trotzdem ein Herz voller Hochmut, Neid oder Hass haben.

Die Konsequenz: Wer nur am Gesetz festhält (wie im Judentum oder Islam), läuft Gefahr, eine „schöne Fassade“ zu pflegen, während das Innere ungeheilt bleibt. Jesus fordert die Wiedergeburt des Herzens.

2. Die Zusammenfassung des Gesetzes (Matthäus 22)

Als Jesus gefragt wurde, welches das höchste Gebot sei, gab er eine Antwort, die alles Bisherige bündelte:

Gott lieben von ganzem Herzen.

Den Nächsten lieben wie sich selbst.

Er sagte: „In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ (Vers 40).

Der Unterschied: Im Judentum und Islam gibt es für fast jede Lebenssituation eine spezifische Vorschrift (Was darf ich essen? Wie muss ich mich waschen?).

Jesu Weg: Er ersetzt die Liste der Verbote durch ein Prinzip der Liebe. Wer liebt, wird den Nächsten nicht bestehlen oder töten – nicht, weil es ein Gesetz verbietet, sondern weil die Liebe es nicht zulässt.

3. Das „Neue Gebot“ (Johannes 13,34)

Kurz vor seinem Tod ging Jesus noch einen Schritt weiter und gab seinen Jüngern ein Gebot, das über das Alte Testament hinausging:

„Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe.“

Der Maßstab: „Wie ich euch geliebt habe“ bedeutet: bis zur Selbstaufopferung am Kreuz.

Die Exklusivität: Das ist der Punkt, an dem Johannes 3,36 wieder ins Spiel kommt. Diese Art der Liebe ist ohne den Heiligen Geist, den Jesus sendet, menschlich gar nicht dauerhaft möglich.

Warum die Ablehnung Jesu (aus christlicher Sicht) so tragisch ist
Wenn man diese drei Punkte betrachtet, wird deutlich, warum die Ablehnung Jesu aus biblischer Sicht kein kleiner „Meinungsunterschied“ ist:


Mein Standpunkt zu Johannes 3,36
Meine Haltung deckt sich mit dem, was Jesus den Pharisäern in Johannes 5,39–40 sagte:

„Ihr suchet in der Schrift, denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist's, die von mir zeugt; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet.“

Das ist genau das „riesige Problem“, das ich sehe:
Man hat die heiligen Schriften (das Alte Testament), man liest sie eifrig, aber man lehrt und lebt an dem vorbei, von dem die Schriften eigentlich handeln – nämlich an Christus.

Wie Paulus in seinem Brief an die Galater erklärt, warum es so gefährlich ist, „ein bisschen“ Gesetz mit dem Glauben an Jesus zu vermischen?


Das ist ein sehr tiefes Thema, das viel Reflexion erfordert – gerade wenn man es für hier, mein Online-Tagebuch aufbereitet.
Um das Ganze abzurunden, schauen ich, warum Paulus im Galaterbrief so leidenschaftlich (fast schon zornig) davor warnt, den Glauben an Jesus mit dem Gesetz zu vermischen.

Paulus nennt das ein „anderes Evangelium“, das in Wahrheit gar kein Evangelium (Gute Nachricht) ist.

1. Das „Alles-oder-Nichts“-Prinzip

In Galater 5,3-4 schreibt Paulus eine der schärfsten Warnungen der gesamten Bibel:

„Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen.“

Die Logik: Wer versucht, durch ein bisschen Gesetz (wie die Beschneidung oder Speisegesetze) vor Gott gut dazustehen, der unterschreibt einen Vertrag für das ganze Gesetz (alle 613 Gebote).

Die Gefahr: Man kann nicht mit einem Bein in der Gnade (Jesus) und mit dem anderen im Gesetz stehen. Wer auf seine eigenen Werke vertraut, sagt damit indirekt, dass Jesu Opfer am Kreuz nicht ausgereicht hat.

2. Das Gesetz als Gefängnis

Paulus erklärt, dass das Gesetz wie ein Aufseher in einem Gefängnis war (Galater 3,23). Es hat uns unsere Sünden aufgezeigt, damit wir erkennen: „Ich schaffe es nicht alleine!“

Das Problem der Juden & Muslime (aus Sicht von Paulus): Sie lieben den Aufseher und wollen im Gefängnis bleiben, obwohl Jesus die Tür aufgeschlossen hat.

Die Antwort Jesu: Er ist gekommen, um uns aus diesem System von „Leistung und Gegenleistung“ zu befreien.

3. Der Fluch des Gesetzes

In Galater 3,10 zitiert Paulus das Alte Testament: „Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht im Buch des Gesetzes, dass er's tue.“

Die harte Realität: Da kein Mensch das Gesetz perfekt halten kann, bringt das Gesetz am Ende nicht Segen, sondern den Fluch (das Urteil Gottes).

Die Lösung: „Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns.“ (Vers 13).

Fazt;
Meine Gedanken zusammenfasst, ist der Kernpunkt von Johannes 3,36 und dem Galaterbrief dieser:

Es gibt nur zwei Wege.

Der Weg des Gesetzes: Man versucht, durch Gehorsam, Rituale und eigene Anstrengung zu Gott zu kommen. Das führt entweder zu Hochmut (wenn man denkt, man schafft es) oder zu Verzweiflung (wenn man merkt, dass man scheitert).

Der Weg des Sohnes: Man erkennt an, dass man bankrott ist und die Rettung als Geschenk (Gnade) annehmen muss.

Meine Beobachtung, dass Juden den Muslimen näherstehen( Speziell in Israel), bestätigt genau das:
Beide bleiben im System des „Gesetzes“ und der „Eigenleistung“ stecken. Der christliche Glaube ist die radikale Absage an dieses System – es ist die totale Abhängigkeit von Jesus Christus.

Amen.

Das isr meie Meinung, prüft alles, das gute Behaltet, ich mache auch Fehler.

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