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Genfer Bibel von 1599

in Wer hat die Bibel geschrieben? 24.09.2025 18:22
von Manfredo | 5.171 Beiträge



Die Genfer Bibel wurde im Jahr 1599 nicht offiziell verboten , aber sie geriet zunehmend in Ungnade bei der englischen Krone und der anglikanischen Kirche – insbesondere unter Königin Elisabeth I. und später König Jakob I.
Der Höhepunkt dieser Warnung führte schließlich zur Förderung der King James Bible (1611), die die Genfer Bibel ersetzen sollte.

Warum wurde die Genfer Bibel kritisiert bzw. de facto verdrängt?

Politisch-reformatorische Randglossen (Anmerkungen):
Die Genfer Bibel enthielt umfangreiche calvinistisch-reformierte Anmerkungen am Rand („Marginal Notes“), die oft antimonarchistische oder republikanische Ansichten vertraten. Einige dieser Anmerkungen legen nahe, dass es legitim sei, einem tyrannischen Herrscher zu widerstehen oder gar abzusetzen – eine gefährliche Botschaft aus der Sicht der englischen Monarchie.
Beispiel: In der Anmerkung zu 2. Mose 1,19 (über die Hebammen, die dem Pharao nicht gehorchten) hieß es, dass man Gott mehr gehorchen musste als dem König – eine Aussage, die als Rechtfertigung für Widerstand gegen königliche Autorität gelesen werden konnte.

Theologische Ausrichtung:

Die Genfer Bibel war stark von calvinistischen Theologen geprägt, die während der Reformation in Genf (unter Johannes Calvin) tätig waren. Sie wurde von englischen Exilanten während der Regierungszeit der katholischen Königin Maria I. („Bloody Mary“) übersetzt und 1560 erstmals veröffentlicht. Obwohl sie bei Puritanern und der breiten Bevölkerung sehr beliebt war, sahen die anglikanischen Staatskirchen ihre antihierarchischen und antiepiskopalen Tendenzen kritisch.

Konkurrenz zur „offiziellen“ Bibel:

Die englische Krone wollte eine Bibel, die keine subversiven politischen Botschaften enthielt und die Autorität des Königs und der Kirchenhierarchie unterstützte. Deshalb förderte König Jakob I. ab 1604 die Übersetzung einer neuen Bibel – der King James Version (KJV) –, die bewusst ohne solche kritischen Randglossen erschien und theologisch gemäßigter Krieg.

Kein formelles Verbot, aber faktische Ächtung:

Es gab kein offizielles Verbot der Genfer Bibel im Jahr 1599 . Allerdings:
Sie wurde nicht zur offiziellen Kirchenbibel erklärt.

Ihre Verwendung in Gottesdiensten wurde nicht erlaubt (im Gegensatz zur Bishop's Bible , die bis 1611 in Kirchen verwendet wurde).
Mit der Veröffentlichung der King James Bible (1611) wurde die Genfer Bibel aktiv zurückgedrängt und verschwand im Laufe des 17. Jahrhunderts allmählich aus dem öffentlichen Gebrauch.

Fazit:

Die Genfer Bibel wurde 1599 nicht offiziell verboten , aber ihre politisch brisanten Anmerkungen machen sie in den Augen der englischen Monarchie und Staatskirche untragbar .
Stattdessen wurde sie durch eine königliche sanktionierte, „sichere“ Bibel – die King James Version – ersetzt, die keine Aufrufe zum Widerstand gegen die Obrigkeit enthielt.

Konkrete Beispiele aus den Randglossen zeigen, die als besonders problematisch galten.

Die Randglossen („Marginal Notes“) der Genfer Bibel waren oft theologisch, aber auch politisch aufgeladen – besonders aus der Sicht der englischen Monarchie. Hier sind einige konkrete Beispiele , die als subversiv oder gefährlich galten:

1. 2. Mose 1,19
Bibeltext:

„Die Hebammen aber antworteten dem Pharao: Die hebräischen Weiber sind nicht wie die ägyptischen; sie sind lebhaft und gebären ehe die Hebamme zu ihnen kommt.“

Randglosse in der Genfer Bibel:

„Ihr Ungehorsam hierin war rechtmäßig, ihr Vortäuschen aber böse.“
(„Ihr Ungehorsam hier war rechtmäßig, aber ihre Täuschung war böse.“)

Warum problematisch?
Diese Anmerkung sagt klar: Es ist erlaubt, einem ungerechten Befehl des Herrschers nicht zu gehorchen – solange man dabei nicht lügt. Für Königin Elisabeth I. oder König Jakob I. war das eine direkte Rechtfertigung von zivilem Ungehorsam gegenüber der Krone. Jakob I., der stark an das göttliche Recht der Könige glaubte, sah darin eine Bedrohung seiner Autorität.

2. Daniel 6,22
Bibeltext (über Daniel in der Löwengrube):

„Mein Gott hat seinen Engel gesandt und das Maul der Löwen verstopft, sodass sie mir nichts getan haben; denn ich bin vor ihm unschuldig erfunden worden, und auch vor dir, o König, habe ich nichts Unrechtes getan.“

Randglosse:

„Denn er [Daniel] missachtete das böse Gebot des Königs, das gegen Gottes Wort war.“
(„Denn er [Daniel] missachtete das böse Gebot des Königs, das gegen Gottes Wort gerichtet war.“)

Bedeutung:
Wieder wird betont: Wenn der König gegen Gottes Gesetz handelt, muss man ihm nicht gehorchen. Das war für absolutistisch denkende Monarchen wie Jakob I. eine direkte Aufforderung zum Widerstand.

3. 1. Samuel 8 (über die Forderung nach einem König)
In diesem Kapitel bittet das Volk Israel um einen König – was in der Bibel als Ablehnung Gottes dargestellt wird.

Randglosse zu 1. Samuel 8,11–18:

„Diese Beschreibung des Rechts eines Königs ist nicht als das Recht zu verstehen, das Gott zulässt, sondern nur als die Praxis heidnischer Könige, der die Kinder Israels folgen wollten.“
(„Diese Beschreibung des Rechts eines Königs ist nicht als das Recht zu verstehen, das Gott erlaubt, sondern nur als die Praxis heidnischer Könige, der die Kinder Israels folgen wollten.“)

Und an anderer Stelle:

„Könige sind so anfällig für Tyrannei, dass sie nicht einmal ihr eigenes Volk verschonen.“
(„Könige neigen so sehr zur Tyrannei, dass sie nicht einmal ihr eigenes Volk schonen.“)

Warum explosiv?
Das war eine klare Kritik am Königtum als Institution – und das in einer Zeit, in der die englische Monarchie ihre göttliche Legitimität betonte! Jakob I. schrieb sogar ein eigenes Buch, „The True Law of Free Monarchies“ (1598), in dem er das absolute Königtum verteidigte. Solche Anmerkungen in einer weit verbreiteten Bibel waren für ihn politisch brandgefährlich.

4. Jeremia 38,2–3
Text: Der Prophet Jeremia warnt, dass alle, die in der Stadt bleiben, sterben werden – wer aber zu den Babyloniern überläuft, wird leben.

Randglosse:

„Deshalb müssen wir die Ehre Gottes und die Sicherheit des Volkes über die Gunst des Königs stellen.“
(„So müssen wir Gottes Ehre und die Sicherheit des Volkes über die Gunst des Königs stellen.“)

Implikation:
Der Schutz des Volkes und Gottes Wille stehen über der Loyalität zum König – sogar wenn das bedeuten sollte, zur feindlichen Macht überzulaufen. In Zeiten politischer Spannungen (z. B. während der französischen Bedrohung oder innerer Unruhen) war das eine explosive Botschaft.

König Jakob I. reagierte:
Bei der Hampton Court Konferenz 1604 (einer Versammlung von Geistlichen und Puritanern) kritisierte Jakob I. die Genfer Bibel direkt:

„Ich konnte noch nie eine gut ins Englische übersetzte Bibel sehen; aber ich denke, dass die von Genf von allen die schlechteste ist. … Ich sage, sie ist die schlechteste, wegen der darin enthaltenen Notizen.“
(„Ich habe noch nie eine gut übersetzte englische Bibel gesehen; aber ich denke, dass die von Genf die schlechteste ist. … Ich sage, sie ist die schlechteste wegen der Anmerkungen, die sie enthält.“)

Daraufhin wurde beschlossen, eine neue, offizielle Bibel ohne solche Randglossen zu erstellen – die King James Bible (1611), die bewusst keine politischen oder kontroversen Anmerkungen enthielt.

Zusammenfassung:
Die Genfer Bibel wurde nicht per Gesetz verboten, aber ihre Randglossen wurden von der Krone als subversiv, republikanisch und antimonarchistisch angesehen. Sie stellte die Autorität des Königs infrage und rechtfertigte Widerstand gegen „ungerechte“ Herrscher – etwas, das in einer absolutistisch geprägten Monarchie wie England nicht geduldet werden konnte.

Online-Vision der Genfer Bibel 1599

Es gibt mehrere zuverlässige Online-Versionen der Genfer Bibel von 1599 (auch „1599 Geneva Bible“ genannt), die du kostenlos lesen, durchsuchen oder herunterladen kannst. Die 1599-Ausgabe ist besonders beliebt, weil sie eine der letzten und vollständigsten Druckfassungen der Genfer Bibel darstellt – inklusive der berühmten (und umstrittenen) Randglossen .

Hier sind die besten und seriösesten Quellen:

Genfer Bibelgesellschaft (genevabible.org)
URL : https://www.biblegateway.com/versions/1599-Geneva-Bible-GNV/

Besonderheiten :
Vollständige Genfer Bibel von 1599 mit allen Randglossen .
Sehr benutzerfreundliche Webseite.
Möglichkeit, Verse zu durchsuchen, Lesezeichen zu setzen oder Kapitel zu drucken.
Bietet auch PDFs und E-Book-Formate (EPUB, MOBI) zum Download an.
Sprache : Englisch (Originalfassung aus dem 16. Jahrhundert – frühneuenglisch, ähnlich wie King James).
✅ Empfehlung : Das ist die beste und zuverlässigste Online-Quelle für die Genfer Bibel von 1599.

Obwohl die Genfer Bibel erstmals 1560 erschien, wurde sie über Jahrzehnte hinweg überarbeitet. Die 1599-Ausgabe gilt als die reifste und am besten redigierte Fassung – mit verbesserten Übersetzungen, vollständigen Anmerkungen und einem ausführlichen Anhang (z. B. „The Order of the Books“, „Table of Principal Matters“)

https://www.studylight.org/


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