Wie und wo kann man im alten Testament lesen, dass Jesus Christus der Sohn von Gott ist?
Im Alten Testament gibt es keine direkte und explizite Aussage, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, da es vor seiner Geburt geschrieben wurde. Es gibt viele prophetische Hinweise und messianische Verheißungen, die Christen im Nachhinein auf Jesus Christus beziehen. Einige der wichtigsten Stellen, die als Hinweise auf den Messias und seine göttliche Herkunft gedeutet werden, sind:
1. Jesaja 9,5-6 (Lutherbibel 2017)
„Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.“
Diese Passage wird oft als Prophezeiung über Jesus gesehen, da sie von einem göttlichen Kind spricht, das eine Herrschaft auf ewig haben wird.
2. Micha 5,1 (Lutherbibel 2017)
„Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist.“
Diese Stelle wird als Hinweis auf die Geburt Jesu in Bethlehem verstanden.
3. Psalm 2,7
„Der HERR hat zu mir gesprochen: ‚Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.‘“
In der christlichen Auslegung wird dieser Psalm oft auf Jesus Christus bezogen, insbesondere in Verbindung mit seinem Titel als Sohn Gottes.
4. Jesaja 7,14
„Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel.“
Immanuel bedeutet „Gott mit uns“, was als Hinweis auf die göttliche Natur Jesu interpretiert wird.
5. Daniel 7,13-14
„Ich sah in den Nachtgesichten, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie ein Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht. Und ihm wurde Macht, Ehre und Reich gegeben, dass ihm alle.“ Völker, Nationen und Sprachen dienen sollten.
Hier wird die Gestalt des „Menschensohnes“ erwähnt, die Jesus oft auf sich selbst bezieht (z. B. in Matthäus 26,64).
6. 1. Mose 49,10
„Es wird das Zepter nicht von Juda weichen, noch der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der kommt, dem es gehört; ihm werden die Völker gehorchen.“
Diese Passage wird als Hinweis auf den Messias aus dem Stamm Juda gesehen.
Christen verstehen diese und viele andere Stellen als Vorausdeutungen auf Jesus Christus und seine Rolle als Sohn Gottes. Jüdische Auslegungen hingegen sehen diesen Vers oft anders und beziehen sie auf andere Personen oder Ereignisse in der jüdischen Geschichte.
Du:
Warum verleugneten die Juden Jesus Christus?
Die jüdische Ablehnung Jesu als Messias und Sohn Gottes hat historische, theologische und kulturelle Gründe. Hier sind einige der Hauptaspekte, warum das Judentum Jesus Christus nicht als den verheißenen Messias anerkennt:
1. Unterschiedliche Messias-Erwartungen
Im Judentum gibt es eine andere Vorstellung vom Messias als im Christentum. Nach der jüdischen Tradition soll der Messias:
Ein weltlicher König und Anführer sein, der Frieden bringt.
Israel politisch und militärisch befreien (zB von der römischen Herrschaft zur Zeit Jesu).
Das Gesetz (Tora) vollkommen erfüllen und die Welt in eine Ära des universellen Friedens führen (zB Jesaja 2,4).
Da Jesus weder eine politische noch eine militärische Befreiung brachte, sondern eher eine spirituelle Botschaft verkündete, erkannten ihn die meisten Juden seiner Zeit nicht als den erwarteten Messias.
2. Die göttliche Natur Jesu
Das Christentum lehrt, dass Jesus der Sohn Gottes ist und sogar eins mit Gott, was für das Judentum problematisch ist. Nach jüdischem Verständnis ist Gott absolut eins (Deuteronomium 6,4: „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein“). Die Vorstellung, dass Gott Mensch werden könnte, wird als unvereinbar mit dem jüdischen Monotheismus angesehen.
3. Die Erfüllung der messianischen Prophezeiungen
Juden argumentieren, dass Jesus nicht alle messianischen Prophezeiungen des Alten Testaments erfüllt hat. Wichtige jüdische Erwartungen, die sie als noch nicht erfüllt betrachten, beinhalten:
Den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem (Hesekiel 37,26-28).
Weltfrieden und das Ende von Leid und Krieg (Jesaja 2,4).
Die Sammlung aller Juden in das Land Israel (Jesaja 11,12).
Die vollständige Kenntnis Gottes in der ganzen Welt (Jeremia 31,33-34).
Christen glauben, dass diese Prophezeiungen bei Jesu Wiederkunft erfüllt werden, während Juden darauf warten, dass ein zukünftiger Messias sie vollständig verwirklicht.
4. Interpretation der Schrift
Viele alttestamentliche Stellen, die Christen als Hinweise auf Jesus sehen (zB Jesaja 53 über den leidenden Gottesknecht), werden von jüdischen Gelehrten anders interpretiert. Sie sehen darin oft das Volk Israel oder andere historische Persönlichkeiten und keine Vorhersage über Jesus.
5. Historische und kulturelle Faktoren
Nach dem Tod Jesu gab es Spannungen zwischen den jüdischen Gemeinden und den Christen, insbesondere nach der frühen Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n. Chr. Chr. Während das Christentum sich zunehmend unter Nichtjuden verbreitete und eigene Wege ging, behielt das Judentum seine Identität durch das Festhalten an der Tora und den mündlichen Überlieferungen bei.
6. Ablehnung von Paulus' Lehren
Der Apostel Paulus spielte eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des Christentums, indem er lehrte, dass die Einhaltung des mosaischen Gesetzes (z. B. Beschneidung, Speisegebote) für Christen nicht mehr notwendig sei. Dies widerspricht dem jüdischen Glauben an die unveränderliche Gültigkeit der Tora.
Zusammenfassend lehnen Juden Jesus nicht aus persönlicher Feindseligkeit ab, sondern weil seine Lehren und seine Rolle nicht mit ihren überlieferten messianischen Erwartungen und theologischen Prinzipien übereinstimmen.